Das Wichtigste zuerst:
!!! Niemals ohne entsprechende
Filter oder Schutzmaßnahmen die Sonne beobachten !!!
Egal ob Feldstecher, Teleobjektiv, Teleskop
oder Sonstiges - immer Sonnenfilter verwenden!
Ein ungeschützer Blick durch ein Teleskop in die Sonne wird zu
dauerhaften Augenschäden oder Erblindung führen !!!
Zum ausführlichen Online-Kompendium
von Baader Planetarium - alles Wissenswerte zur Sonne
(-nbeobachtung)
(mit freundlicher
Genehmigung von Baader Planetarium)
Die Sonne beobachten - aber wie?
Wie alle astronomischen Objekte, die mit
Teleskopen beobachtet werden, gilt auch für die Sonne:
je höher sie am Himmel steht, desto besser wird das Bild.
Grundsätzlich gilt auch ( wie auch für
alle anderen astronomischen Beobachtungen):
nicht durch Fenster, egal ob offen oder nicht, beobachten. Der
Luftstrom durch das Fenster,
bzw. die aufsteigende, erwärmte Luft an der Hauswand
verschmieren jedes scharfe Bild -
von der Fensterglasscheibe ganz zu schweigen...
Vorab zur Filter-Sicherheit
Die folgende Abbildung zeigt die gemessenen
Transmissionskurven verschiedener Filter.

(Courtesy of Fred
Espenak and Jay Anderson, NASA/TP-2004-212762 "Total Solar
Eclipse of 2006 March 29")
(Quelle: Fred Espenak and Jay Anderson, NASA/TP-2004-212762
"Total Solar Eclipse of 2006 March 29")
Die
horizontale gestrichelte Linie markiert den Idealwert.
Transmissionen über 1500nm sind belanglos, da hier die
Erdatmosphäre bereits blockt.
Die vertikale gestrichelte Linie markiert den sichtbaren Bereich
des Spectrums.
Sonnenprojektion
Die einfachste und zugleich billigste Methode der Sonnenbeobachtung mit einem Teleskop ist die Sonnenprojektion. Hierbei wird das ungefilterte Licht der Sonne auf einen weissen Schirm oder ein Blatt Papier projeziert. Dazu sollten aber nur einfach aufgebaute, und nicht verkittete Okulare (z.B. Hygens- oder Ramsdenokulare) verwendet werden. Ansonsten kann das Okular durch die Erhitzung des Kitts Schaden nehmen. Auch billige Plastikokulare sollten nicht zum Einsatz kommen, da sich diese regelrecht in Rauch auflösen würden.
Das Gefährliche an dieser Methode ist, daß keinerlei Filter verwendet werden. Daher auch die große Hitzeentwicklung. Für Gruppenbeobachtungen und Vorführungen ist die Sonnenprojektion sehr gut geeignet, gesetz dem Falle, daß strengstens darauf geachtet wird, daß niemand in das Okular blickt! Ebenso geeignet ist die Projektion für die zeichnerische Dokumentation der Sonnenflecken und Fackeln. So kann über mehrere Tage hinweg die Veränderung der Flecken(gruppen) und die Sonnenrotation dokumentiert werden.
Nach meiner Ansicht sind nur Refraktoren für diese Methode vorbehaltlos geeignet. Bei Reflektoren wird der Fangspiegel meiner Meinung nach zu stark erhitzt. Obwohl gelegentlich an Newtonteleskopen die Projektion zum Einsatz kommt, eignen sich SC-Teleskope absolut nicht dafür. Da das effektive Öffnungsverhältnis relativ klein ist (i.d.R. 1:10), wird oft übersehen, daß der Hauptspiegel 1:2 hat. Der Fangspiegel leidet über Kurz oder Lang durch die enorme thermische Belastung. Wandert die Sonne nur knapp an den Rand der Fangspiegelfassung (meist Kunststoff) ensteht unwillkührlich ein "Problem".
Die Beobachtung der Sonne mit Hilfe der Projektion ist einfach und günstig, zeigt aber auch nicht die "perfekte" Abbildung.
Objektivsonnenfilter
Objektivsonnenfilter sitzen, wie der Name schon sagt vor dem Objektiv. Daher bieten sie am meisten Sicherheit, und zeigen eine sehr gute Abbildungsleistung (entsprechende Qualität vorausgesetzt). Vorallem aber kommt keinerlei Hitzeeinwirkung im Rohr zu stande. UV- und IR- Strahlung werden ausgefiltert. Zu beachten ist dabei die sogenannte neutrale Dichte (ND) der Filter. Am häufigsten werden Filter mit ND 3,5 oder ND 5 verwendet. Filter mit ND 5 sind für die visuelle Beobachtung gedacht. Sie schwächen das Licht um den Faktor 100.000 ab. Für fotografische Anwendungen sind diese Filter aber "zu dunkel". Hier kommen dann Filter mit ND 3 - ND 3,5 zum Einsatz. Der Dämpfungsfaktor beträgt hierbei etwa 1.000 - 5.000. Damit ist auch für lange fotografische Brennweiten noch genug Licht "übrig", um mit kurzen Belichtungszeiten Arbeiten zu können. Dies ist wichtig, da die Luftunruhe, welche am Tag meist stärker ist, sonst die Details "verschmieren" würde.
Glasfilter:
Glasfilter können qualitativ die maximale
Abbildungsleistung bringen. Hochwertige Filter sind aber wegen
dem hohen Produnktionsaufwand relativ teuer.
"Günstige" Glassonnenfilter aus USA zeigen optisch oft
deutliche Schwächen. So ist es mit einigen dieser Billigfilter
nicht möglich, mehr als 50-80fach zu vergrößern. Auch
Doppelbilder und Schlieren verschandeln das Bild. Dies wird dann
oft auf schlechtes Seeing geschoben, ist aber in der mangelden
Qualität der Filter begründet.
Mit einem hochwertigen (aber teureren) Filter z.B. von
Baader-Planetarium sind auch Vergrößerungen von mehr als
300fach kein Problem, sofern das Seeing stimmt, und die
Teleskopoptik dies zuläßt. Doppelbilder und Schlieren wird man
hier vergeblich suchen. Zusätzlich wird das Sonnenlicht farblich
neutral gefiltert - das Sonnenbild ist neutral weis. Bei den
Billigfiltern (wegen der oft grausigen Qualität auch treffend
als "Fensterglasfilter" bezeichnet) wird das Bild in
den verschiedensten Rot-, Orange- oder Gelbtönen wiedergegeben.
Folienfilter:
Baader Astrosolar™ Folie /
Baader Astrosolar™ Film
Diese Folie ist eine preiswerte Alternative
zu hochwertigen Glasfiltern. Da das Trägermaterial (Kunststoff -
kein Mylar) sehr dünn und homogen ist, wird eine optische
Qualität erreicht, wie sie sonst nur bei sehr guten Glasfiltern
vorhanden ist (Definitionshelligkeit 94-96%). Vergrößerungen
bis 0,5mm Austrittspupille sind bei guten Beobachtungsbedingungen
problemlos möglich. Auch hier ist das Sonnenbild neutral weis
mit einem hervorragenden Kontrast.
DAHER
MEINE EMPFEHLUNG !!!
Rettungsfolie - Hände weg !!!
Ein Mitläufer bei den Folienfiltern ist
leider immer noch die sog. Rettungsfolie, welche eigentlich für
die medizinische Erstversorgung bei Unfällen gedacht war, um
Unfallopfer zu wärmen, bzw. termisch zu isolieren und vor
Feuchtigkeit zu schützen. Eine optische "Qualität"
ist quasi nicht vorhanden - die Bilder sind mehr als flau im
Kontrast und zeigen keinerlei Schärfe. Da die Bedampfung (die
"Filterschicht") nicht zur Sonnenbeobachtung gedacht
ist, werden auch gefährliche Strahlungsanteile durchgelassen.
ALSO:
FINGER WEG !!!
!!! Hände weg von Okularfiltern !!!
Das Herschelprisma
Das Herschelprisma (auch Herschelkeil genannt) liefert mit unter das beste Bild. Der Kontrast und die Schärfe sind bei einem qualitativ hochwertigen Prisma im Grunde nur vom Teleskop abhängig. Diese Prismen gibt es mit 1,25" sowie mit 2" Anschluß, wodurch sie für alle gängigen Okularauszüge zu verwenden sind. Dabei wird ohne Objektivfilter gearbeitet. Einzig und allein das Prisma dämpft das Licht. Die Funktionsweise ist relativ einfach. Vor dem (heissen) Brennpunkt (etwa 150mm) des Fernrohrobjektivs wird mit Hilfe einer planpolierten Glasfläche ein Großteil des Lichtes ausgelenkt. Dies geschieht, indem ein Prisma (die Hypothenuse) im Winkel von 45° eingesetzt wird (ähnlich einem Zenitprisma, nur gedreht). Dabei werden lediglich knapp 5% des Lichts zum Okular gelenkt, der Rest verläßt durch das Prisma den Strahlengang. Dazu ist das Gehäuse des Prisma's an der rückwärtigen Kathete offen, und mit einem Umlenkspiegel oder Lichtfalle versehen, wodurch das "überschüssige" Licht gestreut wird. Das zum Okular gelenkte Licht ist linear polarisiert, wodurch es recht einfach mit einem Polarisationsfilter stufenlos gedämpft werden kann. Wegen der hohen Transmission eignen sich Herschelprismen hervorragend für fotografische Anwendungen mit langen effektiven Brennweiten, da immer noch genügend Licht übrig bleibt.
Aber: Herschelprismen nur an Refraktoren verwenden!
H-Alpha Oberflächenfilter
Um die Sonne im Ha-Licht beobachten zu
können, sind sehr engbandige Filter notwendig.
Engbandig bedeutet dabei: Bandbreiten <1Å, wobei gilt: je
engbadiger, desto kontrastreicher wird die Abbildung.
Hersteller solcher Filter sind z.B.
Solar-Spectrum
und
Coronado
H-Alpha Grundlagen (engl.)
(by NOVAC)
Wer Beiträge hat, kann mir diese natürlich per e-mail schicken!
© Andreas Murner